BerninaExpress

Neben dem GlacierExpress ist der BerninaExpress ein weiterer sehr beliebter Panoramazug der Schweiz. Von Chur über Thusis, Tiefencastel, Filisur und Bergün nach St. Moritz verläuft die Anfahrt zunächst wie beim GlacierExpress. Der BerninaExpress fährt dann aber von St. Moritz nach Tirano in Italien über Pontresina, Beninapass und Poschiavo. Spezielle kimatisierte Panoramawagen sorgen für eine angenehme und aussichtsreiche Fahrt. Zu empfehlen sind jedoch auch die normalen Züge, die oft offene Personenwagen mit sich führen. So läßt sich am besten die Natur erleben: Temperaturunterschiede, frische Luft am Pass und noch grandiosere Ausblicke. Die Fahrt kann beliebig unterbrochen werden, um die vielen pittoresken Dörfer und Städte entlang der Strecke zu besichtigen.
Chur – Die Fahrt beginnt in Chur, der Kantonshaupstadt Graubündens. Vor wenigen Jahren wurde der Bahnhof vollständig erneuert. Die Postbusse fahren von einer neuen Etage über den Gleisen ab. Die Schmalspurgleise der Rhätischen Bahn liegen neben den Regelspurgleisen der SBB, die im Bahnhof enden. Zur Weiterfahrt nach St. Moritz, Disentis, Arosa oder Davos müssen die Fahrgäste umsteigen. Sehenswert ist auch die Altstadt von Chur mit dem Dom.
Reichenau – Zuerst durchfährt der Zug die Vorortquartiere von Chur. Rechts auf der anderen Rheinseite ist der Ort Felsberg zu sehen. Es folgt Domat/Ems mit seinem Chemiewerk. Bis hierhin führt auch das Dreischienengleis für die normalspurigen Güterwagen. Der Zug fährt bis Reichenau auf der gleichen Strecke, die auch der GlacierExpress nach Zermatt benutzt. In Reichenau erhebt sich auf der anderen Rheinseite das Schloss Reichenau.
Da Im Bahnhof Reichenau neben den Regionalzügen auch BerninaExpress und GlacierExpress eintreffen, entsteht für die Reisenden eine günstige Umsteigemöglichkeit. Gleich hinter der Ausfahrt aus dem Bahnhof überquert der Zug den Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein. Dann trennen sich die Strecken: Nach Westen führt die Strecke durch das Vorderrheintal, unsere Strecke biegt nach Süden ins Domleschg ab.
Es heißt, das Domleschg sei eines der burgenreichsten Täler der Alpen. Vom Zug aus lassen sich die meisten erspähen. Von Nord nach Süd seien erwähnt: Schloss Rhäzüns, die Ruinen Hoch- und Niederjuvalt, Schloss Ortenstein auf einem Felsvorsprung, die Ruinen Alt- und Neu-Sins und Schloss Paspels. Nach rechts erstreckt sich der Heinzenberg mit seinen verstreuten Walsersiedlungen.
Thusis – Vor der berühmten Viamala – Schlucht, die der Hinterhrein durch den Fels grub, breitet sich Thusis aus, das mit vielen sehenswerten Bauten zur Besichtigung einlädt. Die enge Schlucht stellte früher hohe Anforderungen an die Menschen, die sie durchqueren mussten. Heute kann man leicht mit dem Postauto ins Hinterheintal und über den San Bernadino nach Lugano reisen. Nach kurzem Halt überquert der Zug den Hinterrhein und fährt Richtung Osten durch die Albualschlucht.
Der Streckenverlauf durch die Schlucht erforderte den Bau zahlreicher Tunnel und Brücken. Nach links tun sich hinunter bis zum Flussbett der Albula tiefe Abgründe auf. Die Dörfer, die hoch am Hang zu kleben scheinen gehören zu Lenzerheide, im Sommer ein Wanderparadies, im Winter eine bekannte Wintersportregion. Von Chur aus führt eine Postautolinie über Churwalden und Lenzerheide und trifft in Tiefencastel wieder auf die Bahnstrecke.
Tiefencastel – Hoch am Hang umfährt der BerninaExpress den Ort Tiefencastel. Nach Süden führt die Straße durch das Surses (Oberhalbstein) zum Julierpass und weiter nach St. Moritz, nach Norden über Lenzerheide nach Chur. Der Zug gewinnt weiter an Höhe und durchfährt einige keinere Orte bis er zum ersten Höhepnkt der Albulastrecke kommt.
In elegantem Bogen überquert der Zug auf dem berühmten Landwasserviadukt in 65m Höhe die Landwasser. Die Brücke endet direkt an der Felswand und der Zug verschwindet im Tunnel. Um das Panorama zu genießen, sollte man sich unbedingt einen Fensterplatz sichern.
Filisur – Im nächsten Bahnhof Filisur treffen die Bahnstrecken von Chur nach St. Moritz und von Davos aufeinander. Neue Bahnsteige und Unterführungen erleichtern nach dem Umbau der letzten Jahre das Umsteigen zwischen den Zügen. Hier werden die Gegenzüge aus St. Moritz abgewartet, denn die Strecke bis zum Albulatunnel ist bis auf wenige Ausweichstellen nur eingleisig.
Bergün – Bis zum Alpulatunnel müssen etliche Höhenmeter überwunden werden. Gleich hinter Filisur schraubt sich der Zug in einem ersten Kreistunnel hinauf. Hierbei durchfährt der Zug überwiegend im Berg fast eine 360-Grad-Kurve. Er bewältigt damit die Talstufe nach Bergün.
Zahlreiche im Engadiner Stil gebaute Häuser prägen das Ortsbild Bergüns, das noch mit vielen weiteren Sehenswürdig-keiten aufwartet. In Planung befindet sich der Aufbau eines Eisenbahnmuseums. Das Dorfmuseum zeigt auf einer Modelleisenbahnanlage den Verlauf der Albulastrecke.
Auf den nächsten 6,5 Kilometern bis Preda muss der Zug weitere 416 Höhenmeter überwinden. DIes wurde beim Bahnbau dadurch erreicht, dass die Strecke auf 12,5 Kilometer verlängert wurde. Der Zug wechselt mehrmals auf großen Brücken die Talseite, durchfährt mehrere Kreis- und Kehrtunnel. Dieses Streckenstück wird auch als Albuakarussell bezeichnet. Parallel zur Bahnstrecke wurde von Preda nach Bergün ein Bahnerlebniswanderweg angelegt, von dem aus der Streckenverlauf gut zu verfolgen ist.
Vor dem Scheiteltunnel in Preda muss der Gegenzug abgewartet werden, bevor der BeninaExpress den 5865 Meter langen Albulatunnel durchfahren kann. Im Winter verbindet nur die Bahn das Albulatal mit dem Engadin. Die Autostrasse zwischen Preda und Bernün wird dann zur längsten Rodelbahn der Alpen. Züge transportieren die Schlitten wieder bergauf.
Mit der Durchfahrt durch den Tunnel wechseln wir auf die Alprnsüdseite, was häufig mit einer deutlichen Wetteränderung einher geht. Nach wenigen Kilometern biegt der BerninaExpress nach Westen auf die Engadinstrecke von Scuol nach St. Moritz ein. Über die Stationen Bever, Samedan und Celerina erreichen wir St. Moritz.
St. Moritz – der Hauptort im Oberengadin, ist bekannt als Windersportort, hat aber auch im Sommer viel zu bieten. Verschiedene Seilbahnen erschließen die Bergwelt zum Wandern und ermöglichen herrliche Ausblicke auf die Berge rund um den Piz Bernina. Der Zug verlässt St. Moritz auf einer nach Süden abzweigenden Strecke. Sie führt nahe der Kirchenruine San Gian vorbei. Am Berg zeigt sich ein weiterer herrlicher Aussichtspunkt, die Bahnstation von Muottas Muragl.
Pontresina – im nächsten Bahnhof Pontresina wechselt das Stromsystem, denn die Bahnstrecke über den Berninapass wird mit Gleichstrom betrieben. Auch die Lokomotiven müssen gewechselt werden. Es wird noch der Nahverkehrszug aus dem Unterengadin abgewartet, dann setzt sich der BerninaExpress wieder in Bewegung.
Zuerst führt die Strecke noch ohne große Steigung durch das Tal. Hinter der Station Morteratsch muss in zwei Serpentinen die erste Steilstufe überwunden werden. Von der Montebellokurve aus zeigt sich der Morteratschgletscher im Hintergrund. Diese Stelle ist bei Eisenbahnfotografen sehr beliebt. Der Zug gewinnt jetzt stetig an Höhe. Von den Stationen Diavolezza und Lagalb führen Seilbahnen in die Gletscherwelt der Drei- und Viertausender.
Auf dem Plateau vor der Passhöhe schlängelt sich der Zug an zwei großen Stauseen entlang, die der Stromgewinnung für den Zugbetrieb dienen. Oft schwimmen im Frühsommer noch Eisschollen auf dem See. Auch im Hochsommer ist es hier deutlich kühler. Am Bahnhof Bernina-Ospizio wird mit 2252 m über dem Meer die höchste Stelle der Strecke erreicht.
Wieder wird der Gegenzug abgewartet. Dann beginnt der Abstieg ins Valpuschlav. Stetig verliert die Strecke an Höhe, teilweise mit Verbauungen gegen Schneeverwehungen geschützt. Immer wieder sind Ausblicke ins Tal und auf die umgebenden Berggipfel möglich. Nach kurzer Fahrt wir die Bahnstation Alp Grüm erreicht. Hier beginnen viele Wanderwege, auch ein Alpengarten lädt zur Besichtigung ein.
Vom Zugfenster aus bietet sich jetzt ein herrlicher Panoramablick über das Valpuschlav mit seinem schimmernden See bis nach Italien. Dabei sind auch die verschiedenen Höhenstufen zu erkennen, die der Zug noch zu bewältigen hat.
Auf engen Kurven, direkt am Berghang entlang führt die Strecke bergab. Verwundert nimmt der Reisende die abgelegenen kleinen Bahnstationen zur Kenntnis. Mehrmals wechselt der Zug in Kehrschleifen am Hang seine Fahrtrichtung.
Poschiavo – der Hauptort des Valpuschlav, wird erreicht. Im Blick zurück erkennt man die Bergstrecke am Hang. Ein Rundgang durch das sehenswerte Städtchen lohnt auf jeden Fall.
Hier wird der Zug zur Straßenbahn. Die Durchfahrten durch die Orte sind schmal und der Zug teilt sich den wenigen Platz mit dem Autoverkehr, sehr zum Schrecken ortsfremder Autofahrer. die einen Zug als Gegenverkehr nicht erwarten.
Die Fahrt führt nun am malerischen Lago di Poschiavo vorbei bevor die Strecke den nächsten Steilabstieg zu bewältigen hat. Die Temperaturen haben wieder zugenommen. Der Unterschied vom Pass zum See kann bis zu 20 Grad betragen.
Brusio – Ein Höhepunkt der Streckeführung wird bei Brusio erreicht: die offene Kreisschleife für den BerninaExpress. In der mehr als 360 Grad betragenden Kurve verliert die Strecke Höhe, nicht wie bisher im Tunnel, sondern auf einer 107 Meter langen Brücke.
Tirano – Nachdem der BerninaExpress die Staatsgrenze nach Italien passiert hat, kommt schon das Ziel in Sicht. In Tirano wird der Zug wieder zur Straßenbahn bevor er in den Endbahnhof einfährt. Nach langer Fahrt und kurzer Zollkontrolle empfiehlt sich eine Besichtigung im schon mediterranen Flair Tiranos. Auch besteht die Möglichkeit mit der Italienischen Staatsbahn nach Mailand weiterzufahren.